Der junge regisseur kane parsons baut seine eigenen alpträume
Kane Parsons, gerade 20 Jahre alt, betritt Hollywood als eine Art Systemfehler. Der junge Filmemacher, der seine Karriere mit DIY-Projekten auf YouTube begann, erobert nun die Kinoleinwände mit seinem Horror-Thriller „Backrooms“ – einer verstörenden Reise in eine labyrinthartige Welt voller Schrecken. Doch hinter dem Erfolg steckt eine Geschichte von Kindheitsträumen, digitalen Obsessionen und der Suche nach der eigenen Stimme.
Die kindheit in sonoma county: ein idyllisches amerika
Parsons wuchs in Petaluma, Kalifornien, auf – einem malerischen Vorort in Sonoma County, der so aussieht, als wäre er direkt aus einem Werbefilm für das amerikanische Familienleben entsprungen. „Es riecht ständig nach Kühen“, erinnert er sich lachend. Die sanften Hügel, die als Hintergrundbild auf Windows XP berühmt wurden, liegen nur eine halbe Stunde von seinem Zuhause entfernt. Doch diese Idylle wurde jäh unterbrochen, als seine Mutter ihren geliebten Gazebo im Garten abbauen ließ. „Ich habe eine starke Bindung an unbelebte Gebäude und Strukturen“, gesteht Parsons. Ein Gefühl, das ihn bis heute prägt und in seiner Arbeit widerhallt.

Von portal zu den backrooms: die digitale kindheit
Seine Faszination für Strukturen und Räume begann schon in der Kindheit. Parsons verschlang alles, was das Internet zu bieten hatte, insbesondere Videospiele und Anime. Die Spiele von Valve, insbesondere „Portal“ und „Half-Life“, hatten einen enormen Einfluss auf seine Kreativität. „Valve hat meine kreativen Präferenzen über die Jahre maßgeblich geprägt“, so Parsons. Er verbrachte Stunden damit, Visual Effects mit kostenloser Software nachzubilden und lernte so das Handwerk des Filmemachens. Seine Träume waren oft von den düsteren Laboren von „Portal“ geprägt, insbesondere von dem paranoiden Doug Rattmann, dessen kryptischen Botschaften in den Wänden ihn als Kind schon in Angst und Schrecken versetzten.

Der backrooms-hype: ein internet-phänomen
Die eigentliche Inspiration für seinen aktuellen Film kam jedoch von einem unerwarteten Ort: dem Internet. Der Begriff „Backrooms“ bezieht sich auf ein 2002 aufgenommenes Foto eines leerstehenden Geschäfts, dessen unheimliche Atmosphäre in der Online-Community schnell Kultstatus erlangte. Aus einem Scherz wurde ein weitverzweigtes Internet-Phänomen, dessen Lore sich durch Textbeiträge, Bildunterschriften und kurze YouTube-Filme ständig weiterentwickelte. Parsons erkannte das Potenzial und begann, eigene „Backrooms“-Shorts zu drehen – zunächst als Hobby, dann mit wachsender Begeisterung.
Von youtube zu a24: der durchbruch
Obwohl Parsons damit rechnete, dass seine Videos auf YouTube kaum Beachtung finden würden, erlangten sie schnell Kultstatus. YouTube-Essayisten begannen, seine Arbeit zu analysieren, und Parsons erkannte, dass es nicht viel braucht, um Kunst zu schaffen, die Menschen sehen wollen. Innerhalb eines Jahres wurde er von Atomic Monster und A24 kontaktiert und erhielt die Chance, seinen eigenen Backrooms-Film zu drehen. Ein Deal, der seine Karriere für immer verändern sollte. Doch auch jetzt, inmitten des Ruhms und der Anerkennung, hat Parsons immer noch die gleichen Zweifel und Ängste wie früher. „Man wiegt jede Entscheidung ab gegen dieses Lexikon an Informationen, das Reddit und Discord prüfen. Wenn es nicht stimmt, riechen sie das und etwas geht kaputt, und man kann es nicht reparieren.“
Ein junger regisseur mit einer vision
Parsons’ Karriere ist ein Beweis dafür, dass man kein Filmstudium absolvieren muss, um in Hollywood erfolgreich zu sein. Mit gerade einmal 20 Jahren hat er bewiesen, dass Kreativität, Leidenschaft und ein gutes Verständnis für die digitale Welt ausreichen, um die Filmindustrie auf den Kopf zu stellen. „Es gibt technisch gesehen nichts, was dich daran hindert“, sagt er. „Wenn du dir einen bestimmten Standard setzt, dann weißt du, dass alles, was du auf YouTube veröffentlichst, tiefere Ebenen hat.“ Und mit der Veröffentlichung von „Backrooms“ steht Kane Parsons erst am Anfang seiner Reise.
