Naomi scott: vom kirchenchor zur gefeierten musikerin – ein neustart voller soul
Sie spielte Prinzessin Jasmine, erschütterte als Horror-Ikone den Bildschirm – und jetzt erobert Naomi Scott endlich die Bühnen als Sängerin. Nach Jahren im Schatten des Films hat sie mit ihrem Debütalbum „F.I.G.“ einen überraschend reifen und persönlichen Sound präsentiert, der Kritiker und Fans gleichermaßen begeistert. Doch der Weg zur musikalischen Selbstfindung war alles andere als geradlinig.
Kindheitsträume und ein unerwarteter abstecher
Schon als Kind sang Naomi Scott im Kirchenchor ihrer Gemeinde in den Vororten von Ost-London. Ihre Abende verbrachte sie damit, die Playlists ihres Vaters zu plündern – von Janet Jackson bis Kate Bush. Ihre musikalische Reise begann früh, gefördert durch die frühe Entdeckung durch Kéllé Bryan von Eternal. In ihren Teenagerjahren schrieb sie eifrig Songs, träumte von einer Karriere als Sängerin und arbeitete sogar mit den Pop-Gurus von Xenomania zusammen. Doch das Schicksal nahm eine unerwartete Wendung, als sie sich ein paar Mal bei Filmrollen beworben hatte – „nur so zum Spaß“ – und sich plötzlich in einer erfolgreichen Schauspielkarriere wiederfand.
Die Rollen als Prinzessin Jasmine in „Aladdin“ und als Popstar in „Smile 2“ brachten ihr Ruhm und Anerkennung, doch sie hinterließen ein Gefühl der Unzufriedenheit. „Ich hatte das Gefühl, eine Art Viertellife-Identitätskrise zu erleben“, gesteht Scott. Sie zog sich nach London zurück, um sich wieder ihrer Musik zu widmen und begann, am Klavier Songs zu schreiben. Das Gefühl, „ein Mädchen im Werden“ zu sein, wurde zu ihrem Motto.

„F.i.g.“: ein album voller persönlichkeit und einflüsse
Das Ergebnis dieser introspektiven Phase ist „F.I.G.“ (Fall Into Grace), ein Debütalbum, das Genre-Grenzen sprengt und Scotts musikalischen Geschmack unterstreicht. Die Songs vereinen Elemente aus R&B, Alternative Pop, Soul, Funk und 80er-Beats zu einem harmonischen Gesamtbild. Man hört den Einfluss von Janet Jackson in den treibenden Grooves von „Rhythm“ und den süßlich-schichtigen Vocals von „Cherry“. Prince’s Gitarrenlicks und Synthesizer-Klänge schwingen in „Losing You“ und „Gracie“ mit. Und die zarte Stimme von Solange findet sich in den gefühlvollen Balladen „Bliss“ und „Best Kind“ wieder. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit Dev Hynes, einem engen Freund und Mentor von Scott, der auch an der Produktion von „Cut Me Loose“ beteiligt war.
Das Album ist erstaunlich kohärent und in nur 29 Minuten eine klare musikalische Statement. Der Titel „F.I.G.“ steht für „Fall Into Grace“ und bezieht sich auf Scotts persönlichen Weg der Selbstakzeptanz. Es ist ein Augenzwinkern an Sylvia Plaths „Der Bienenstock“, in dem der Feigenbaum als Symbol für verschiedene Zukunftsperspektiven dient – und Scott scheint nun bereit zu sein, die süße Frucht einer Musikkarriere zu ernten.

Diy-ästhetik und live-energie
Obwohl „F.I.G.“ nicht sofort einen riesigen kommerziellen Erfolg feierte, hat sich Scotts Publikum durch Mundpropaganda stetig erweitert. „Es ist ein wunderbares Gefühl“, sagt Scott. „Ich bin bei einem Independent-Label unter Vertrag und habe keine riesigen Marketingbudgets. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass die Musik für sich selbst sprechen wird.“
Scott setzt auf eine beeindruckend DIY-Ästhetik, die sich auch in ihren Musikvideos widerspiegelt. Das Video zu „Cherry“, das sie selbst inszenierte, zeigt sie tanzend auf einem Fußballplatz zusammen mit einem Frauenfußballteam. „Es geht darum, mit begrenzten Ressourcen etwas Schönes zu schaffen. Geld ist nicht gleichbedeutend mit Kreativität“, betont sie.
Auch ihre Live-Auftritte werden von dieser DIY-Philosophie geprägt sein. Nach ihrer ersten Solo-Tour in den USA wird Scott auf europäischen Festivals spielen und als Support-Act für Jessie Ware auf deren Arena-Tour in Großbritannien auftreten. Auf der Bühne wird sie von nur zwei Musikern begleitet – einem Gitarristen und einem Bassisten/Synthesizer-Spieler. „Für mich fühlt sich das im Moment richtig an“, erklärt Scott. Und wer erwartet, dass sie ihre Songs dramatisch umgestaltet, wird enttäuscht sein: „Es ist das erste Mal, dass ich dieses Album live spiele, ich möchte nicht zu weit davon abweichen.“ Ein Cover von New Edition’s „Can You Stand the Rain“ und ein Mash-up von Scotts „Bound“ mit Anita Bakers „Sweet Love“ dürfen jedoch nicht fehlen – ein Beweis für ihren tadellosen Geschmack.
Am Ende geht es Naomi Scott darum, authentisch zu bleiben, ihre musikalischen Instinkte zu vertrauen und sich weiterzuentwickeln. „Ich bin immer noch dieses Mädchen, das verschiedene Dinge ausprobiert und herausfindet, wer sie ist“, lacht sie.
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