Mailer und marilyn: ein biografiekrimi voller zynismus
Norman Mailer, der Mann, der sich gerne selbst als intellektuellen Provokateur inszeniert, hat erneut für Aufsehen gesorgt – und das nicht etwa mit einem neuen Roman, sondern mit einer Biografie, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet. „Marilyn“ ist kein einfaches Werk, sondern ein juristisches Minenfeld, aus dem heraus Mailer seine Leser und die literarische Welt gleichermaßen herausfordert.

Ein tanz auf dünnem eis: mailers umgang mit der wahrheit
Die Veröffentlichung des Buches löste eine Welle der Kritik aus, genährt durch Mailers Hang zum dramatischen Effekt und die bedrohlichen Andeutungen rechtlicher Schritte gegen frühere Autoren und Verlage. Es wirkt, als ob Mailer, der sich selbst als Experten für alles und jeden stiltisiert, hier versucht, eine definitive Geschichte von Marilyn Monroe zu schreiben, eine Geschichte, die seinen eigenen Maßstäben entspricht – und die offensichtlich wenig Raum für andere Perspektiven lässt.
Die Anekdote von Jean Stafford, die Marilyn in den frühen 1950er Jahren in Westport, Connecticut, traf, wirft ein interessantes Licht auf die Situation. Stafford beschreibt eine Frau, die weit entfernt von dem Glamourbild, das die Welt zu kennen glaubt, eine schlichte, fast unscheinbare Erscheinung war. Keine Spur von dem Feuerwerk, das später die Leinwand erobern sollte. Die Beschreibung ist beinahe schon enttäuschend, aber gerade dadurch umso glaubwürdiger.
Mailer hingegen scheint Marilyn zu einer Art Ikone der existenziellen Verzweiflung zu stilisieren, einer Frau, die von den Schatten Amerikas verschlungen wurde. Doch ist Mailer, dieser selbsternannte Chronist der amerikanischen Seele, wirklich der richtige Mann, um dieses Porträt zu zeichnen? Ein Journalist, der sich gerne im Rampenlicht präsentiert und dessen Stil oft als überladen und prätentiös kritisiert wird, kann kaum der ideale Vermittler für die komplexe Persönlichkeit einer Frau sein, die ihr Leben lang nach Anerkennung und Liebe suchte.
Maurice Zolotows Biografie wird von Mailer mit Hohn bedacht, als eine Sammlung von „Factoids“ – Fakten, die ohne jeglichen Kontext oder Tiefe präsentiert werden. Doch auch Mailer entgeht dieser Kritik nicht. Sein Werk ist gespickt mit Exkursen über Richard Nixon, Method Acting, Psychohistorie – Themen, die wenig Bezug zu Marilyn Monroe haben und das Werk unnötig aufblähen.
Es ist ein Zirkus, ein groteskes Theaterstück, in dem Mailer die Hauptrolle spielt und Marilyn zu einer bloßen Requisite degradiert. Er jongliert mit Fakten und Spekulationen, wirft mit Obszönitäten um sich und versucht, die Leser mit seiner selbsternannten Weisheit zu beeindrucken. Doch am Ende bleibt ein Gefühl der Leere zurück, ein Gefühl, dass hier eine Chance verpasst wurde, eine Frau wirklich zu verstehen.
Trotz aller Mängel und Exzesse übersteht die Geschichte von Marilyn Monroe ihren literarischen Missbrauch. Die Fotografien, die das Buch schmücken, zeugen von ihrer Schönheit und ihrem Charisma. Und ihre Stimme, diese zarte, fast kindliche Stimme, hallt noch immer nach, ein Echo einer verlorenen Seele, die in den Wirbelwinden Hollywoods verloren ging. Mailer mag sie als Opfer des amerikanischen Traums dargestellt haben, doch sie war auch eine Kämpferin, eine Frau, die sich ihren Weg erkämpfte und die bis zum Schluss an die Magie des Kinos glaubte.