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Horrorfilme-plots: sind wir zuschauer nur noch schachfiguren?

Erinnern Sie sich an die einfachen Regeln des Überlebens in einem Horrorfilm? In den 90ern diktierte Scream uns: Kein Sex, keine Drogen, und niemals „Ich bin gleich wieder da“. Ein Versprechen, das man selten hält. Doch die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Komplexität der Plots – bis hin zur mentalen Zerreißprobe für den Zuschauer.

Der fluch, der uns in netflix-serien verschlingt

Der fluch, der uns in netflix-serien verschlingt

Die neuesten Horrorproduktionen, ob auf Netflix oder bei A24, zeichnen sich durch eine verwirrende Dicke aus. Nehmen wir Something Very Bad Is Going to Happen: Die Hauptfigur muss ihre Seelenverwandte bis Sonnenuntergang heiraten, sonst stirbt sie. Aber wie erkennt man überhaupt die Seelenverwandte? Die Antwort liegt im metaphorischen Kern der Geschichte – und in der Weitergabe des Fluches an die nächste Generation, sollte die Wahl falsch ausfallen. Ein Ausweg? Bisher nicht erkennbar.

Die Duffer-Brüder, bekannt aus Stranger Things, scheinen den Trend zu komplexen Erzählungen mitzutragen. Szenen, in denen Charaktere mithilfe von Haushaltsgegenständen die Zukunft erklären, sind mittlerweile Standard. Aber sie sind nicht allein. IT: Welcome to Derry auf HBO Max versuchte, an Stephen Kings Horror-Klassiker anzuknüpfen, führte aber den Killerclown Pennywise als Wesen ein, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig erlebt. Eine Ergänzung, die viele Fragen aufwarf – und deren Antworten bis dato ausbleiben.

Und dann ist da noch From auf MGM+, eine Serie, die ständig mit Lost verglichen wird. Eine Stadt, die ihre Bewohner gefangen hält, Monster, die nachts patrouillieren – und eine Geschichte, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Das Prinzip ist nicht neu, wie die Erfolge von Yellowjackets oder Paradise beweisen, die mit ihren mysteriösen Symbolen und Wendungen Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Aber die Grenze zwischen intelligenter Komplexität und unnötiger Verwirrung ist fließend. Indie-Horrorfilme wie Barbarian, Weapons oder Nope zeigen, dass einfache Ideen – ein Monster im Airbnb-Keller, eine Hexe – oft die effektivsten Schreckmomente erzeugen. Hereditary beispielsweise ließ die schreckliche Hintergrundgeschichte einfach brodeln, um eine Atmosphäre des Grauens zu erzeugen. Es geht nicht darum, den Zuschauer mit unnötigen Details zu überfordern, sondern ihn effektiv zu erschrecken.

Die Filmemacher sollten sich an ihren Kollegen vom Silberling orientieren, die mit ihren Filmen sowohl Kritiker als auch Zuschauer begeistern. Weniger Plot, mehr Angst – das ist die Devise. Sonst riskieren wir, dass wir als Zuschauer in einem endlosen Strudel aus verwirrenden Wendungen gefangen sind, dem wir nie entkommen werden.