Hochzeiten 2024: wer zahlt, wenn die tradition bröckelt?
Die Frage, wer die Kosten für eine Hochzeit trägt, ist längst nicht mehr so eindeutig, wie unsere Großmütter es gewohnt waren. Während früher die Familie der Braut das Sagen hatte, herrscht heute eine neue Flexibilität – und ein wenig Verwirrung – beim Thema Finanzierung.
Die alten regeln: ein historischer blick
Traditionell lag es in der Pflicht der Brautfamilie, die Hauptlast der Kosten zu tragen. Dies reicht von der Wahl des Veranstaltungsortes und dem Brautkleid bis hin zur Dekoration, dem Catering und der musikalischen Untermalung. Der Ursprung dieser Gepflogenheit liegt, so die Experten des Emily Post Instituts, in der historischen Praxis der Mitgift, mit der die Familie der Braut den Bräutigam für die „Last“ der Ehe entlohnte. Auch die Gastgeberpflicht für das Engagement-Dinner fiel traditionell der Brautfamilie zu.
Die Familie des Bräutigams steuerte ihrerseits die Rechnungen für das Junggesellenabschieds-Fest, den Transport zum Ort der Feier, den Pfarrer und den Junggesellinnenabschied bei. Selbstverständlich übernahm er auch die Kosten für den Verlobungsring sowie die Geschenke für die Trauzeugen. Ein nicht unerheblicher Teil der Kosten für die Getränke, insbesondere Alkohol, wurde in der Regel ebenfalls vom Bräutigam bezahlt.

Die zeiten ändern sich: moderne ansätze
Doch die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Finanzierungsmodelle für Hochzeiten. Kylie Carlson, CEO der International Academy of Wedding & Event Planning, stellt fest: „Heutzutage ist alles erlaubt, wenn es um die Bezahlung einer Hochzeit geht. Immer mehr Paare übernehmen selbst die Finanzierung.“ Die Tradition der finanziellen Unterstützung durch die Brautfamilie ist zwar immer noch verbreitet, insbesondere in bestimmten Regionen, aber sie wird zunehmend von anderen Modellen abgelöst.
Oftmals teilen sich die Paare, ihre Eltern und andere Familienmitglieder die Kosten auf eine Weise, die für alle Beteiligten finanziell tragbar ist. Auch die Situationen, in denen Eltern geschieden oder wiederverheiratet sind, erfordern flexible Lösungen. Und wer hätte gedacht, dass die Großeltern sich gerne beteiligen – oder eben doch nicht?

Statistiken und fakten: was die umfragen sagen
Eine aktuelle Umfrage von The Knot zeigt, dass Eltern durchschnittlich 50 % des Hochzeitsbudgets tragen, während das Paar die restlichen 50 % übernimmt. Zola kommt zu dem Schluss, dass ein Drittel der Paare die gesamten Kosten für ihre Hochzeit selbst trägt. Alter spielt dabei kaum eine Rolle, so Carlson. Entscheidend ist die individuelle finanzielle Situation des Paares und die Bereitschaft der Familie, sich finanziell zu beteiligen.
Ein wichtiger Aspekt ist die offene Kommunikation. Rebecca Gardner, eine Event-Expertin aus der Ostküste, rät Paaren dringend dazu, frühzeitig über die Kosten zu sprechen. „Bitte, bitte redet offen über die Kosten“, betont sie. Es ist ratsam, die Familienmitglieder höflich zu fragen, ob sie einen Beitrag leisten möchten und dabei zu betonen, dass keine Erwartungen bestehen.
Die richtige formulierung: einladungstexte
Wenn das Paar die Hochzeit selbst finanziert, sollten nur die Namen des Paares in der Einladung stehen. Wenn beide Familien beitragen, kann formuliert werden: „Gemeinsam mit unseren Familien laden Casey Collet und Felix Edgers Sie herzlich zu ihrer Hochzeit ein.“
Das Wichtigste: Transparenz und Ehrlichkeit. Denn eine Hochzeit sollte ein freudiges Ereignis sein, nicht eine Quelle finanzieller Verpflichtungen und Missverständnisse. Die Traditionen mögen reizvoll sein, aber sie sollten den individuellen Umständen angepasst werden.
